Archive for Oktober 2009

Die wirklichen Hintergründe der Weltfinanzkrise

25. Oktober 2009

Weltwirtschaftskrise 1929

Die weltweite Krise des Finanzwesens beherrschte dieses Jahr die Schlagzeilen. Die Medien berichteten von immer neuen Zusammenbrüchen großer Banken. Mit Tausenden von Milliarden Euro haben die verschiedenen Regierungen inzwischen den durch unverantwortliche Spekulationen vor dem Konkurs stehenden Großbanken direkt wieder zur Liquidität verholfen oder ihnen Bürgschaften gegeben. Ein Weltfinanzgipfel tagte am 14. November 2008 in Washington und suchte nach Abhilfen.

Es handelt sich bei dieser Krise um grundsätzliche Fragen, die sich nicht von einem zum anderen Augenblick ändern und die heutige Lage kam keineswegs wie ein Blitz aus heiterem Himmel auf uns nieder. Im Grunde bestätigten die sich nun überstürzenden Ereignisse nur das, was als logische und unvermeidliche Folge von Anfang an abzusehen war. Nur über den Augenblick des akuten Ausbrechens der Krise konnte man noch rätseln. Der Grund, warum es so lange gedauert hat, bis die gewaltigen Pleiten der größten US-Banken, -Versicherungen und -Investmenthäuser offenkundig wurden, scheint einzig und allein darin zu liegen, dass ein mafioses Kartell der Banken, der US-Federal Reserve Bank, des US-Finanzministeriums, von Agenturen, Börsenhändlern, Funds usw. – also aller jener, die man als »financial industries« bezeichnet – die US-Regierung und die Medien beherrscht und mit diesem Machtmittel den Rest der Welt praktisch nötigte, das längst durchschaubare betrügerische Spiel möglichst lange weiter mitzumachen. In unverantwortlicher Weise ließ man es bewußt und seit mehr als einem Jahr auf die Konkurse hinlaufen in der Erwartung, dass dann die Staaten bei einem solchen Ausmaß der Zusammenbrüche eingreifen müssten.

Mancher meinte, dass mit dem 16.3.2008 der Kapitalismus westlicher Prägung sein Ende gefunden habe. An diesem Tag hatte der selbst schwer angeschlagene US-Finanzriese »JP Morgan« (JPM) seine vor dem Konkurs stehende Konkurrenzbank »Bear Stearns« übernommen.

Was war geschehen? Als Folge der US-amerikanischen Immobilien-Krise, die in Wahrheit eine viel tiefer gehende des kapitalistischen Wirtschaftssystems überhaupt war und ist, wurde die Kreditbank »Bear Stearns« zahlungsunfähig. Das Wie ist allerdings in diesem Fall äußerst bemerkenswert. Gerüchte um die Schwierigkeiten von »Bear« verursachten einen plötzlichen Sturz der »Bear Stearns«-Aktien von 156 auf 2 Dollar, so daß sich die (private) US-Zentralbank FED – angeblich um Schlimmeres zu verhüten – veranlasst sah, hier direkt einzugreifen und die Übernahme durch JPM zu „arrangieren“. Es tauchte aber bald die Vermutung auf, ob nicht kurz vorher gezielt gestreute Gerüchte (und andere Börsenmanipulationen) diesen Kurssturz verursacht hätten, und die Frage erhob sich zwangsläufig, wer diese Gerüchte in die Welt gesetzt haben könnte.

Das Vorbild für eine solche Methode ist jenes berühmte Beispiel aus dem Jahre 1815. Der Londoner Finanzier Nathan Rothschild hatte die britischen Investoren durch Ausstreuen des falschen Gerüchts veranlaßt zu glauben, der englische Herzog von Wellington habe mit den verbündeten Preußen die Schlacht von Waterloo gegen Napoleon verloren. Innerhalb weniger Stunden stürzten daraufhin die Kurse der britischen Staatsanleihen ab.

Rothschild, der durch seine extra eingesetzten, schnell übermittelnden Informanten den tatsächlichen Sachverhalt – Napoleon wurde in Wirklichkeit vernichtend geschlagen – kannte, kaufte dann sämtliche, ins Bodenlose abstürzenden englischen Staatsanleihen zu einem Spottpreis auf. Als dann wenige Tage später der Sieg über Napoleon allgemein bekannt wurde und deswegen die Kurse der britischen Staatsanleihen wieder stark stiegen, war Rothschild durch diesen Coup, den ersten Insider-Handel, ein gemachter Mann geworden, und „N. M. Rothschild“ wurde zur größten Bank der Welt.

Der Rothschild zugesprochene Satz: „Wenn ich das Geld einer Nation herausgebe und kontrolliere, dann kümmern mich die anderen Gesetze nicht mehr“, bestätigt sich gerade heute in dämonischer Weise.

Dieses Muster für großangelegte Finanz-Transaktionen – eigentlich Raubzüge mit riesiger Beute – fand selbstverständlich Nachahmer. So ließ John Pierpont Morgan in den USA knapp ein Jahrhundert später ebenfalls Gerüchte ausstreuen, daß zwei große US-Banken vor dem Bankrott stünden. Diese Nachrichten lösten in den Vereinigten Staaten die Panik von 1907 aus: Da die Gerüchte von der Öffentlichkeit geglaubt wurden, stürmten die Menschen die betreffenden Banken, so dass sich deren Bankrott tatsächlich ereignete. Morgan, der sich nun als „Retter in der Not“ ausgab, stellte große Mengen an Gold »zur Rettung der Banken« zur Verfügung. Zusätzlich schuf er, um angeblich derartige Krisen in Zukunft zu verhindern, die Voraussetzungen für jenes amerikanische Gesetz, den „Federal Reserve Act“, das mit der Gründung der FED in Washington 1913 die Verfügungsgewalt über die US-Währung in die Hände der Privatbanken – unter der Kontrolle der Wall Street – übergab. Der der künstlich herbeigeführten Panik folgende öffentliche Druck hatte den Widerstand des US-Kongresses gegen ein solches Gesetz für eine »Bank für Bankiers« gebrochen, wobei – schlauerweise – dieses Gesetz am Vorabend des Weihnachtsfestes beschlossen wurde, als ein Großteil der Abgeordneten bereits zu Hause fromme Weihnachtslieder im Kreis der Familie sang. Bezeichnenderweise wurde dieses – an sich verfassungswidrige – Gesetz noch am selben Tag vom US-Präsidenten Wilson unterzeichnet. Durchgezogen hatte dieses Komplott Paul Warburg, ein Einwanderer aus Deutschland, Partner des Bankhauses „Kuhn, Loeb & Co.“, dem wichtigsten amerikanischen Bankunternehmen der Rothschilds seit dem amerikanischen Bürgerkrieg.

Robert Owens, Mitverfasser des Federal-Reserve-Gesetzes, sagte später vor dem Kongreß aus, der Bankensektor habe ein Komplott geschmiedet und eine Reihe von Finanzpaniken erzeugt, damit die aufgebrachte Öffentlichkeit »Reformen« verlange, die den Interessen der Finanziers nutzen sollten.

Ein Jahrhundert später hat „JP Morgan Chase & Co.“ offenbar dasselbe Spiel wieder durchgezogen. Martin Wolf schrieb in der „Financial Times“: „Vergessen Sie Freitag, den 14. März 2008 nicht; an diesem Tag endete der Traum vom globalen Freimarktkapitalismus.“

Der heimliche Kauf des Hauses „Bearn Stearns“ erfolgte an einem Wochenende mit einem 55 Mrd. Dollar-Kredit, den die FED zur Verfügung stellte. Von dieser Summe bekam „Stearns“ 25 Mrd., abgesichert mit Stearns-Aktiva. 30 Mrd. erhielt die zur „Rettung“ ausersehene „JP-Morgan Chase“. Natürlich sind solche Summen, selbst wenn sie von der FED stammen, „fiat money“, also Geld aus dem Nichts, für das aber letztlich natürlich der US-Steuerzahler gerade stehen muss, wenn die Kreditnehmer – „Bearn Stearns“ und JPM – dies selbst nicht können oder die Sicherheiten nicht ausreichend sind. Die pseudo-legale Grundlage für solche Geldschöpfung ist das sogenannte „Mindestreserve“-System (auch „fractional banking“ genannt), das den Banken praktisch eine Lizenz zum Gelddrucken gibt. Sie verleihen etwas – nämlich Geld, das sie in Wirklichkeit gar nicht besitzen – gegen wucherische Zinsen. Es ist dies in Wirklichkeit nichts weiter als „legales“ Falschgeld. Dieses von den Rothschild-Bankiers vervollkommnete fremdfinanzierte Modell erlaubt es, mittels bedruckten Papiers die ausgedehntesten Geschäftsübernahmen zu tätigen – im vorliegenden Fall die Übernahme des Hauptrivalen unter den Investmentbanken, „Bear Stearns“, durch die „JP Morgan-Chase“. Dabei ist die „JP Morgan-Bank“ selbst durch riesige Verluste im Derivatengeschäft, dem Handel mit fiktiven Geldern, getroffen worden. Die fast kabarettistische Note dabei ist der Umstand, daß sich die Finanz-Haie nun selbst auffressen.

Mit dem skrupellos gedruckten Massen ungedeckter US-Dollar wurden in Europa gute Wirtschaftswerte aufgekauft.

Die Medien meldeten am 12.7.2008 den Kollaps der kalifornischen Hypothekenbank „Indy Mac“, deren Aktien in einem Jahr von 36 Dollar auf 28 Cent gefallen waren – die zweitgrößte Bankenpleite in der Geschichte der USA. Die nächsten Kandidaten waren die größten US-Hypotheken-Anstalten, „Fanny Mae“ und „Freddie Mac“ zusammen mit „Lehman Brothers“, „Bank of America“, die Schweizer „UBS“ und viele andere. Sie sind wegen riesiger Verluste aus risikoreichen Spekulationen und Kreditgeschäften schon seit einem Jahr im Grunde pleite, sie leben nur noch vom Wegschauen oder der Kapitalzufuhr dubioser fernöstlicher „Regierungsfonds“, die ihre wertlosen Dollar-Reserven noch schnell unterbringen wollen.

Vor einiger Zeit erklärte der Kongreß-Abgeordnete Ron Paul im Fernsehen, daß die FED unter ihrem neuen Chef Bernanke schwindelerregende 4,3 Billionen an völlig ungedeckten Papier-Dollars in den beiden vergangenen Jahren gedruckt habe. Diese ungedeckten Papier-Gelder kamen zu den ungedeckten Krediten im Immobilienwesen und zu den ebenso nicht durch echte Werte abgedeckten Derivat-Geldern hinzu. Die ganze Blase ist nun geplatzt und die Amerikaner versuchen jetzt, die Europäer an den riesenhaften Verlusten teilhaben zu lassen. Die Gewinne wurden privatisiert, während die Verluste nun sozialisiert, das heißt auf den kleinen Mann weltweit abgewälzt werden sollen.

Es geht daher heute darum, das Problem bei den Wurzeln anzupacken, also die Plutokraten zu entmachten. Dass dies möglich ist, hat uns das Beispiel Russland gezeigt. Auch unsere Krise könnte so beseitigt werden. Doch ob die Bundesregierung zusammen mit den anderen europäischen Nachbarstaaten den Mut aufbringt, sich gegen die massiven Forderungen der USA zu stellen und nicht weiter mit dem Geld der deutschen Steuerzahler die bewusst zugelassenen Pleiten der US-Großbanken mitzufinanzieren, ist sehr die Frage. Denn die USA werden bei Ungehorsam mit neuem Krieg und der Aufnahme in die Liste der Schurkenstaaten drohen.

Ebenso ist offen, wie mächtig die nun überstürzt angepeilten Kontrolleinrichtungen sein werden, die solchen Missbrauch der Börse und das Überhandnehmen eines solch hohen Anteils von Schein-Geldern verhindern. Nach Lage der Dinge müssen die deutschen Steuerzahler wieder einmal für im Grunde kriminelle Praktiken der großen Finanzhaie zahlen, die skrupellos ihre Schäfchen ins Trockene gebracht haben.

Die Frage ist, ob die Welt nach diesem in den letzten zwei Jahrhunderten mehrmaligen Vorführen sich ähnelnder Tricks endlich daraus lernt und staatliche Kontrollsysteme für die Finanzwelt aufbaut und ob es gelingt, das Großkapital und seine weltbeherrschende Macht zu bremsen.

Merkel zu Finanzminister Schäuble und den 100.000 D-Mark

25. Oktober 2009

Musiktipp: Jan Peter

22. Oktober 2009

Sie glauben immer noch an den Kapitalismus?

21. Oktober 2009

Wohl niemals ist es für den Betrachter wirtschaftlicher Zusammenhänge interessanter gewesen, Zeitgenosse zu sein, als in den Jahren, in denen wir jetzt leben. Große Ereignisse sind Fixpunkte, wenn wir von der Vergangenheit erzählen. „Nach dem Krieg“ oder „nach der Wiedervereinigung“ sind solche markanten Punkte. Es sind Wendepunkte für uns alle. Ein ebensolch dramatisches Ereignis erleben wir zurzeit. Unsere Enkelkinder werden ihre Erzählungen einordnen mit den Worten „Nach der Wirtschaftskrise“ oder „Nach dem Staatsbankrott“. Wir sind Zeitzeugen dieser Ereignisse. Wir bangen um unsere Ersparnisse, um Arbeitsplätze, um Renten und um das Arbeitslosengeld. Wir glauben, völlig abhängig zu sein von den Entscheidungen der Politiker und Finanzgewaltigen. Aber wir sind es nicht. Wir spielen mit in einem Spiel der Bereicherung.

Es ist ein wirtschaftlicher Anschauungsunterricht ohne gleichen, der uns erteil wird. Wir sind aber nicht nur Zuschauer, wir sind gleichzeitig Mitspieler des globalen Spiels, die alle den großen Gewinn im Auge haben. Nur eine Minderheit von 10% gehört zu den wirklichen Gewinnern. Alle anderen sind Verlierer. Das Spiel heißt Kapitalismus, die Spielwiese heißt Marktwirtschaft.

Unsere These „Der Kapitalismus ist gescheitert“ wird mit aller Entschiedenheit von der Politik zurückgewiesen. Nur weil die Aktienkurse und die Auftragseingänge im Maschinenbau ein wenig gestiegen sind, wird das Ende der Krise proklamiert. Die bisher mit Milliarden Steuergeldern gestützten Banken machen wieder Gewinne und schon greifen die Vorstände zu: höhere Gehälter, höhere Bonizahlungen. Frei nach dem Motto: „Das Casino ist wieder geöffnet.“ Sie machen mit denselben Methoden weiter, die die Krise ausgelöst haben. Und wenn wieder der Konkurs einer Bank droht, springt auch der Staat wieder ein.

Ein Blick über den Kanal sollte uns das Wesen des Kapitalismus vor Augen führen. Allein in diesem Jahr sind in Amerika 77 Banken in den Konkurs gegangen. Alles nur unbedeutende Lokalbanken? Keineswegs. Die Colonial Bank in Alabama, die sechstgrößte Bank mit einer Bilanzsumme von 25 Mrd. Dollar, wurde von der Behörde am 15. August 2009 mit vier weiteren Banken geschlossen. Der Kapitalismus frisst seine Kinder, die Banken. Der Einlagensicherungsfonds FDIC wird allein für Colonial ca. 28 Mrd. Dollar aufbringen müssen. Der Kapitalismus frisst seine Sklaven, die Bürger. Bis zum Zusammenbruch der Bank mussten sie mit Kreditzinsen für die Bankgewinne sorgen. Nach dem Zusammenbruch müssen die Bankeinleger vom Totalverlust verschont bleiben. Wer zahlt? Die Steuerzahler.

Ist uns der Erhalt des kapitalistischen Systems soviel wert, dass jeder Bürger zu einer Zwangsunterstützung herangezogen wird? Auch in Deutschland wurden mit Milliardenhilfen viele Banken am Leben erhalten? Und was ist mit den Sozialleistungen? Auch die Arbeitslosen sind die Folgen des Kapitalismus – nicht der Marktwirtschaft. Arbeitslose werden nicht aus den Kapitalerträgen (siehe Gewinne der Deutschen Bank) unterstützt, sondern wesentlich aus den Arbeitserträgen der Steuerzahler. Kapitalismus, ein legales System zur leistungslosen Bereicherung! Ach, wenn wir doch alle Milliardäre wären! Aber wer wird dann noch arbeiten?

Ergo: Der Kapitalismus lebt nur so lange, wie wir ihn nicht durchschauen. „Es ist gut, dass die Menschen des Landes unser Banken- und Geldsystem nicht verstehen, denn sonst, so glaube ich, hätten wir noch vor morgen früh eine Revolution“, so Henry Ford. Wollen wir das?

Träumen Sie noch oder wissen Sie schon?

20. Oktober 2009

Vortrag von Andreas Clauss