Sie glauben immer noch an den Kapitalismus?

Wohl niemals ist es für den Betrachter wirtschaftlicher Zusammenhänge interessanter gewesen, Zeitgenosse zu sein, als in den Jahren, in denen wir jetzt leben. Große Ereignisse sind Fixpunkte, wenn wir von der Vergangenheit erzählen. „Nach dem Krieg“ oder „nach der Wiedervereinigung“ sind solche markanten Punkte. Es sind Wendepunkte für uns alle. Ein ebensolch dramatisches Ereignis erleben wir zurzeit. Unsere Enkelkinder werden ihre Erzählungen einordnen mit den Worten „Nach der Wirtschaftskrise“ oder „Nach dem Staatsbankrott“. Wir sind Zeitzeugen dieser Ereignisse. Wir bangen um unsere Ersparnisse, um Arbeitsplätze, um Renten und um das Arbeitslosengeld. Wir glauben, völlig abhängig zu sein von den Entscheidungen der Politiker und Finanzgewaltigen. Aber wir sind es nicht. Wir spielen mit in einem Spiel der Bereicherung.

Es ist ein wirtschaftlicher Anschauungsunterricht ohne gleichen, der uns erteil wird. Wir sind aber nicht nur Zuschauer, wir sind gleichzeitig Mitspieler des globalen Spiels, die alle den großen Gewinn im Auge haben. Nur eine Minderheit von 10% gehört zu den wirklichen Gewinnern. Alle anderen sind Verlierer. Das Spiel heißt Kapitalismus, die Spielwiese heißt Marktwirtschaft.

Unsere These „Der Kapitalismus ist gescheitert“ wird mit aller Entschiedenheit von der Politik zurückgewiesen. Nur weil die Aktienkurse und die Auftragseingänge im Maschinenbau ein wenig gestiegen sind, wird das Ende der Krise proklamiert. Die bisher mit Milliarden Steuergeldern gestützten Banken machen wieder Gewinne und schon greifen die Vorstände zu: höhere Gehälter, höhere Bonizahlungen. Frei nach dem Motto: „Das Casino ist wieder geöffnet.“ Sie machen mit denselben Methoden weiter, die die Krise ausgelöst haben. Und wenn wieder der Konkurs einer Bank droht, springt auch der Staat wieder ein.

Ein Blick über den Kanal sollte uns das Wesen des Kapitalismus vor Augen führen. Allein in diesem Jahr sind in Amerika 77 Banken in den Konkurs gegangen. Alles nur unbedeutende Lokalbanken? Keineswegs. Die Colonial Bank in Alabama, die sechstgrößte Bank mit einer Bilanzsumme von 25 Mrd. Dollar, wurde von der Behörde am 15. August 2009 mit vier weiteren Banken geschlossen. Der Kapitalismus frisst seine Kinder, die Banken. Der Einlagensicherungsfonds FDIC wird allein für Colonial ca. 28 Mrd. Dollar aufbringen müssen. Der Kapitalismus frisst seine Sklaven, die Bürger. Bis zum Zusammenbruch der Bank mussten sie mit Kreditzinsen für die Bankgewinne sorgen. Nach dem Zusammenbruch müssen die Bankeinleger vom Totalverlust verschont bleiben. Wer zahlt? Die Steuerzahler.

Ist uns der Erhalt des kapitalistischen Systems soviel wert, dass jeder Bürger zu einer Zwangsunterstützung herangezogen wird? Auch in Deutschland wurden mit Milliardenhilfen viele Banken am Leben erhalten? Und was ist mit den Sozialleistungen? Auch die Arbeitslosen sind die Folgen des Kapitalismus – nicht der Marktwirtschaft. Arbeitslose werden nicht aus den Kapitalerträgen (siehe Gewinne der Deutschen Bank) unterstützt, sondern wesentlich aus den Arbeitserträgen der Steuerzahler. Kapitalismus, ein legales System zur leistungslosen Bereicherung! Ach, wenn wir doch alle Milliardäre wären! Aber wer wird dann noch arbeiten?

Ergo: Der Kapitalismus lebt nur so lange, wie wir ihn nicht durchschauen. „Es ist gut, dass die Menschen des Landes unser Banken- und Geldsystem nicht verstehen, denn sonst, so glaube ich, hätten wir noch vor morgen früh eine Revolution“, so Henry Ford. Wollen wir das?

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