5. Neue Geldordnung

Zahlungsmittel werden durch den Staat bzw. durch die von ihm eingesetzte und/oder ermächtigte Notenbank (die im Falle der USA ein Zusammenschluss privater Großbanken ist, der „Federal Reserve Bank“) in Umlauf gebracht. Das Geld kommt im kapitalistischen Geldsystem vorwiegend über Kredite an die Geschäftsbanken in den Wirtschaftskreislauf. Das heißt, dass die Geschäftsbanken mit Geld in Form von Scheinen und Münzen – künstlich versteuert durch den Leitzins – von der Notenbank und ihrer Geldpresse versorgt werden. Das Geld wird dann von den Geschäftsbanken an ihre Kunden (Unternehmer und Privatpersonen) wiederum über Kredite in den Wirtschaftskreislauf eingebracht, allerdings zu einem nochmals höheren Zinssatz.

Die in den Wirtschaftskreislauf eingebrachte Geldmenge bildet einen Geldkreislauf, da das Geld nicht nur unzählige Male zum Kaufen, sondern auch unzählige Male zum Verleihen und Tilgen benutzt wird. Dadurch wird eine vorhandene Geldmenge nicht verändert, jedoch, je nach Häufigkeit des Besitzerwechsels, seine Umlaufgeschwindigkeit. Die Frage, ob eine Wirtschaft nun gesund ist oder nicht, besteht darin, wie weit die Geldmenge im richtigen Verhältnis zum Güter- und Dienstleistungsvolumen steht. Das Produktionsvolumen im Zusammenhang mit einer Geldmenge und seiner Umlaufgeschwindigkeit bestimmt kann es auch eine stabile Kaufkraft geben. Dies ist im Kapitalismus mit seiner indirekten Geldmengensteuerung über ein kompliziertes Zinsausgabesystem niemals möglich. Eine antikapitalistische Wirtschaftsordnung hat daher in erster Linie eine neue Geldordnung zur Voraussetzung. Die Geld- und Währungspolitik ist der Schlüssel zu einer gerechten sozialen Wirtschaftsordnung. Denn eine stabile Wirtschaft kann es nur auf der Grundlage eines stabilen Geld- und Währungssystems geben.

Der Bauplan für neue Geldordnung in einem nachkapitalistischen Wirtschaftsmodell setzt sich aus folgenden Teilen zusammen:

  1. Nur Arbeit ist Geld! Es darf kein leistungsloses Einkommen und keine Kapitalvermehrung durch Zins- und Zinseszins mehr geben.
  2. Geld ist keine Ware und stellt lediglich einen Anteilschein an der volkswirtschaftlichen Leistung dar. Es darf daher nicht mit Zins- und Zinseszins verkauft werden.
  3. Das Geldschöpfungsrecht hat alleine der Staat
  4. Die Geldmenge wird an der Produktions- und Dienstleistungsvolumen der Volkswirtschaft im Zusammenhang mit seiner Umlaufgeschwindigkeit angepasst.
  5. Das Geld ist nur ein Kreislaufmittel der Wirtschaft und des Staates. Es ist zinsfrei und muss summarisch im Arbeitsprozess verbleiben, daher keine Konvertierung mit Fremdwährungen
  6. Der internationale Handelsverkehr wird ohne leit- und Reservewährung abgewickelt. Die Verrechnung im Ex- und Importgeschäft werden über eine Stelle des „Internationalen Zahlungsausgleiches“ auf der Basis eines indexgesicherten Messpunktes innerhalb der nationalen Währungseinheiten geregelt. (Übergangslösungen für einen bestimmten Zeitraum sind möglich.)

Der Wirkungen des Zinses, Geld nicht zu horten und damit dem Wirtschaftskreislauf zu entziehen sowie der Leistungsanreiz des Zinses, lassen sich auch problemlos anders bewerkstelligen. So kann man das geldpolitische Instrumentarium der Zentralbanken um eine „Umlaufsicherungsgebühr“ (von weltberühmten Ökonomen John Maynard Keynes gutgeheißen) erweitern. Statt durch Zinsen die Nichthortung von Geld bestrafen, indem man auf die Einbehaltung von Geld eine Gebühr erhebt. Selbstverständlich bliebe der Sparzins in einem gewissen Umfang in Form einer Sparprämie zur Vermögensbildung von Arbeitnehmern erhalten; ebenso wie Banken weiterhin Kreditgebühren verlangen würden, um Risiken abzusichern und die Verwaltung zu finanzieren. Der Zinseszinsmechanismus muss jedoch überwunden werden, weil er zerstörerisch wirkt – und in höchstem Maße ungerecht ist.

Herbert Schweiger gibt die Wertungsreihe wie folgt vor [1]:

„a) Geld dient der Aktivierung der Wirtschaft

b) Die Wirtschaft dient den Völkern. Sie bat diesen die lebensnotwendige Bedarfsdeckung an Energie, Nahrung, Kleidung und Wohnung zu ermöglichen.

c) Demnach steht die kulturelle und sittliche Lebensordnung über allen materialistischen Berechnungen

d) Die Geldmenge verbleibt in dem wirtschaftspolitischen abgestimmten Raum. Um diese gleichmäßig zu erhalten, gibt es keine Konvertierbarkeit mit anderen Währungen.

e) Die jeweiligen europäischen Volkswirtschaften bekommen von der Zentralbank nur jene Geldmenge zur Verfügung, die ihrer wirtschaftlichen Leistungen entspricht.

Der Kapitalismus steht und fällt mit dem Zins!

[1] Schweiger, Herbert: Deutschlands neue Idee. Nationales Mainfest für Deutschland und Europa, Aalen 2004

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